„Smile! It’s good for your heart.“

Reiseziel: Marokko
Reiseart: Rundreise
Dauer: 8 Tage

Städte: 10
Hotels: 5
zurückgelegte km: 1.530
Fortbewegungsmittel: Reisebus von s’Tours
Veranstalter: Berge & Meer
Begleiter: 3 (ein Reiseleiter, ein Busfahrer, ein Mechaniker)

Montag, 16.09.2013
Etwas aufgeregt und viel zu früh komme ich am Frankfurter Flughafen an: Ich trete die erste organisierte Rundreise meines Lebens an und das auch noch alleine.

Im Wartebereich treffe ich auf eine gaggernde Kleingruppe von orientalisch gekleideten westlichen jungen Frauen und vermute bereits, dass diese bei meiner Reise dabei sind. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll. Meine Zweifel werden jäh zerschlagen als ich in Casablanca ankomme – nach einer Stunde des Wartens ist unsere Gruppe vollzählig und ich von 23 Personen deutlich die Jüngste. Warum stimmen die Klischées eigentlich immer? Wobei ich fairerweise erwähnen muss, dass noch zwei weitere junge Herren, so Mitte bis Ende dreißig, mit ihren Eltern unterwegs sind. Mit ihnen soll ich aber die ganze Reise über nicht wirklich sprechen werden.
Es geht los.

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Dienstag, 17.09.2013
Nachdem wir noch am späten Abend mit einem Buffet abgefertigt wurden, konnten wir schließlich auf unsere etwas in die Jahre gekommenen Zimmer. Das also sind vier Sterne in Marokko. Ich bin froh, als wir das Hotel verlassen und heute unsere ersten 250km zurücklegen.

Wir starten mit einer Blitzrundfahrt durch Casablanca und landen schließlich am Platz Mohammed V. Danach sehen wir den Platz der Vereinten Nationen sowie den Königspalast. Anschließend geht es weiter nach Rabat. Wir werden mit dem Mausoleum von Mohammed V und dem Hassan Turm vertraut gemacht und können uns merken: alle berühmten Plätze in Marokko heißen entweder etwas mit Mohammed, Hassan oder Ahmed. So einfach ist das. Dann geht die Tour weiter nach Meknès, wo wir eine von unzähligen Mauern („Die iieest sährr schönn.“ Zitat Reiseleiter) sehen und unser erstes, richtiges marokkanisches Essen zu uns nehmen. Auf der Fahrt dort hin ist der Reiseleiter absolut begeistert davon, was die Natur in Marokko so her gibt und schreit alle paar Meter ins Mikrofon: „Schauen Sie – Granatäpföhl! Hiiier räscht.“ Mein Sitznachbar wird aus seinem Schlaf gerissen und erschrickt dabei. Nachdem wir eine kurze Besichtigungstour unternommen haben, fahren wir weiter zu unserer Übernachtungsstation in Fès.

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Mittwoch, 18.09.2013
Heute erkunden wir Fès und bekommen dafür eigens einen jungen Stadtführer. Fès ist die älteste Königsstadt Marokkos und wir lernen gleich zu Beginn, dass Gebäude, vor denen die Polizei steht, nicht fotografiert werden dürfen. Wir starten mit einer Führung durch die mittelalterliche Medina. Wir stehen vor einem militärisch bewachten Gebäude und ich bemerke, wie die Polizei unruhig wird und plötzlich ein junger Polizist geradewegs auf mich zugestampft kommt, den Finger auf mich zeigt und „Photooo!“ schreit. Ich werde also angeklagt, verbotenerweise ein Bild von dem bewachten Gebäude gemacht zu haben und sehe mich bereits in einem marokkanischen Gefängnisverlies obwohl ich nicht mal meine Kamera berührt habe. Aber der Polizist ist überzeugt davon, dass er richtig gesehen hat. Zum Glück kann ich beweisen, dass ich keine Bilder gemacht habe. Die Anklage wird fallen gelassen, der Polizist stampft wieder ohne einem Wort der Entschuldigung davon – klar, ich bin ja auch eine Frau. Und ab diesem Moment stehe ich unter dem Schutz des Stadtführers. Was das bedeutet … dazu später mehr. 🙂
Nach der Erkundung der Medina und einigen Sehenswürdigkeiten, laufen wir durch die unglaublich engen Gassen der Suqs. Ein Suq ist ein Marktplatz, in diesem Fall Marktgassen. Es ist eine Mischung aus dem Duft von Gewürzen, Parfüm und Leder aber auch aus bluttropfendem Fleisch, Kadavern, Dreck und Wasserlachen. Wir schlengeln uns durch die Gassen, besuchen eine Töpferei, Weberei und Gerberei. Als wir in der Gerberei einen Zweig Minze in die Hand gedrückt bekommen bevor wir uns die Produktion ansehen, lehne ich erst ab und bin keine zwei Minuten später dankbar, dass ich überredet wurde den Zweig doch zu nehmen. Es stinkt höllisch. Die Gerberei benutzt zum färben Taubenmist. Mir steht der Gestank in der Nase, als wir kurz darauf noch Essen gehen.
Später sehe ich, wie Hühner kopfüber aber lebend und an den Füßen zusammengebunden transportiert werden, wie sie getötet werden, wie ein Esel durch Schläge zum laufen gebracht wird, wie andere Tiere geschlachtet werden.  Mir ist übel.
Unser Stadtführer weicht mir nicht von der Seite und schlägt mir eine Beziehung vor. Als wir an den Hochzeitsausstattungen vorbei laufen, meint er, wir könnten in einem Jahr auch heiraten, marokkanisch natürlich, und ein weiteres Jahr später Kinder bekommen. So einfach funktioniert das da mit der Liebe.

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Donnerstag, 19.09.2013
Nach einer Horrornacht mit Übelkeit und Magen-Darm-Problemen, bekomme ich morgens von unserem Arzt ein erlösendes Medikament und die nächste und längste Etappe mit 490km beginnt.

Wir fahren an einigen Berberdörfern vorbei, die Landschaft ist steinig und kahl, sehen aber unterwegs plötzlich einen atemberaubenden See und passieren die Ziz-Schlucht. Langsam fängt alles an gleich auszusehen aber unser Reiseleiter ist absolut begeistert und brüllt mit seinem arabischen Temperament ständig ins Mikrofon, worauf wir alles achten sollen. Dabei erzählt er uns viele Geschichten und gibt uns interessante Informationen über sein Land weiter.
Nach meinem Mittagessen, dass aus ca. 3 kg purem Reis bestand (wegen Magen-Darm), fahren wir weiter zu unserem Zielort Erfoud.

Das absolute Highlight des Tages ist ein Ausflug in die Wüstenstadt Merzouga. Dort reiten wir mit Dromedaren in die Sanddünen von Erg Chebbi und erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang.

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Freitag, 20.09.2013
Wir starten die nächsten 340km ab Erfoud, wo wir übernachtet haben. Ich bin froh, dass wir auch hier nicht länger schlafen, die Hotels werden immer katastrophaler.

Unser Weg führ uns nach Tineghir, vorbei an der wirklich eindrucksvollen Todra Schlucht bis nach Ouarzazate.
Unterwegs besuchen wir noch eine Fossilienausgrabung und -verarbeitung. Ich bin erschüttert, mit welch mittelalterlichen Werkzeugen die arbeiten und denke, dass selbst im Mittelalter alles fortschrittlicher war.
Wir halten an einer riesigen Landschaft, die voller kleiner Vulkane ist. Es stellt sich heraus, dass dies mal Brunnen waren und ein paar wenige davon sind heute sogar noch in Betrieb. Als ich wieder einsteige, entdecke ich auf meinem Sitz im Bus einen Zweig mit 3 Granatäpfeln. Der Mechaniker hat sie mir hingelegt. Ich bekomme zusätzlich noch ein Küsschen auf die Wange.

Die Weisheit des Tages kommt von dem Reiseleiter: „Man kann niieescht gleischzeitisch spreschöhn und zuhörööhhn. Das iieest die Wahrheit.“

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Samstag, 21.09.2013
Nach einer Stadtführung in Ouarzazate besichtigen wir die Kasbah Taourirt und erfahren, dass der König früher vier Frauen hatte. Jede Frau bekam ein eigenes Zimmer, wobei die erste Frau das schönste und größte besaß, die vierte Frau wohnte quasi im Keller. Unser Reiseleiter bedauerte bei dieser Gelegenheit, dass die Polygamie in Marokko seit zehn Jahren abgeschafft ist.

Auf dem  200km langen Weg nach Marrakesch überqueren wir den höchsten Pass Marokkos, den Tizin Tichka auf 2.260 Höhenmetern. Wir bewundern das Atlasgebirge und die Landschaft des Tadderts und halten in einer Arganölherstellung. Diese stellt eigens für Coco Chanel auch Rosenwasser her.

Im absolut exquisiten Hotel in Marrakesch angekommen, erlebe ich von Balkon meines Hotelzimmers aus sogar noch eine marokkanische Hochzeit (nicht meine). Nachdem diese aber recht laut ist und gegen Mitternacht erst richtig aufgedreht wird, ziehe ich auf die andere Seite des Hotels um.

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Sonntag, 22.09.2013
Heute sehen wir Marrakesch, der zweitältesten Königsstadt Marokkos. Ich kann’s kaum erwarten.

Wir beginnen mit einer kurzen Stadtrundfahrt und besichtigen den Bahia Palast, die Menara Gärten, das Koutubia Minarett und die Gräber Saadiens. Da es schon am vormittag schon unglaublich heiß ist, ruhen wir uns nachmittags nach dem Essen am Pool aus. Obwohl mich der Mechaniker im Blick hat und mir zuwinkt, halte ich es trotzdem nicht lange am Pool aus und begebe mich in mein Hotelzimmer. Am späten Nachmittag laufen wir durch die wunderschönen Suqs der Stadt. Wegen der engen Gassen ist es nicht ganz so heiß, sodass wir die Gelegenheit haben, uns von den ganzen Farben und Gerüchen begeistern zu lassen. Ich treffe auf einen Händler und er raunt mir zu: „Smile! It’s good for your heart!“ Und ja, tatsächlich. Auf meiner ganzen Reise durch das Land habe ich kaum einen Marokkaner gesehen und kennengelernt, der nicht gelacht oder gegrinst hat, egal wie mittellos dieser Mensch war.
Wir beenden unsere Besichtigung am Jemaa El Fna Platz und haben die Möglichkeit, Gaukler, Wahrsager, Geschichtenerzähler, Tänzer und die Menschen Marrakeschs zu erleben. So muss das bei uns vor vielen, vielen Jahrzehnten auch gewesen sein. Und es ist wirklich ein Märchen aus 1001 Nacht.

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Montag, 23.09.2013
Um 6:45 Uhr fahren wir 250km zurück nach Casablanca. An meinem Sitz ist eine rote Blume befestigt. Ein Gruß von dem Mechaniker.

Ich denke über die vergangenen Tage nach und bin fasziniert von einem Land voller Gegensätze. Ein Land, das man auf einem Bild nicht so festhalten kann, wie es wirklich ist. Ein Land, das sich lohnt, zu sehen. Ich komme wieder.

Rose

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