1 Jahr zuckerfrei – und jetzt?

Vor etwas mehr als einem Jahr, nämlich zu Beginn der Fastenzeit 2017, habe ich mich nach dem Vorbild meiner Heilpraktikerin und Freundin dazu entschieden, auf Zucker zu verzichten. Und zwar nicht nur auf raffinierten Zucker sondern auch auf alle Zuckeralternativen.

Meine Blutwerte sind allesamt geradezu perfekt, ich bin nicht dick und auch sonst gesund. Aber ich wollte mich ein bisschen challengen und schauen, ob ich durchhalte. Wie der Blogtitel schon verrät, habe ich durchgehalten. Um genau zu sein nun mehr als ein Jahr. Aber von vorne.

Grundsätzliches

Ein zu hoher Zuckerkonsum führt auf Dauer zu einer Leptinresistenz. Das ist das Sättigungshormon, welches dem Gehirn normalerweise mitteilt, dass der Magen voll ist. Bei einer Leptinresistenz wird dieses Signal nicht mehr gesendet, was zu Übergewicht führt. Wenn man den Fructose-Glukose-Sirup und andere industriell hergestellte Fructosearten reduziert, führt dies widerum zu einem verbesserten Sättigungsgefühl.

Im Gegensatz zu komplexen Kohlenhydraten, Proteinen oder Fetten, die im Darm erst aufgespalten oder umgewandelt werden müssen, gelangt Zucker auf direktem Weg ins Blut. Raffinierter Zucker (Industriezucker) hat eine hohe Energiedichte ohne dabei Vitamine oder Mineralstoffe zu enthalten. Damit sprechen wir von leeren Kalorien, die in vielen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind. Der Blutzuckerspiegel steigt superschnell an und die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus. Das Hormon schleust den Zucker in die Zellen und beschleunigt so die Fetteinlagerung, denn der Zucker wird in Fett umgewandelt.

Grund genug, für mich zumindest, auf Zucker zu verzichten.

Die ersten Wochen

Ich habe mich mit einem neuen Speiseplan auseinander gesetzt, denn Fertigprodukte kaufen war ja nicht mehr. Es ist übrigens wirklich krass, wo überall Zucker drin ist. Mich hat das richtig wütend gemacht.

Nachdem also Fertigprodukte weggefallen sind und obwohl ich nie viele Süßigkeiten gegessen habe, muss ich zugeben, dass ich echte Entzugserscheinungen hatte.

Ich hatte richtiges Verlangen nach Süßem und Heißhungerattacken. Nach zwei Wochen habe ich meinen Plan gelockert und habe angefangen, wieder Obst zu essen (was bei einer zuckerfreien Ernährung btw „erlaubt“ ist). Glücklicherweise blieben Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit und Stimmungsschwankungen weg – letzteres gibt’s bei mir von Natur aus sowieso. 😛

Nach 6 Wochen konnte ich folgendes feststellen:

Wohlbefinden

Ich habe mich insgesamt schnell fitter und vitaler gefühlt, weshalb ich auch leichter durchgeschlafen habe.

Zu viel Zucker macht nämlich antriebslos, träge und kann zu Schlafproblemen führen. Außerdem erhöht es das Risiko für Herzkrankheiten und die Leber kann den Zucker nicht mehr verarbeiten und abtransportieren. Und weil die Leber Fette speichert, kann sie zunehmend verfetten.

Geschmackssinn

Tatsächlich hat sich mein Empfinden, was Süßes angeht, stark verändert. Obst wurde für mich viel süßer und auch die Stärke in Gemüse und Brot habe ich viel stärker wahrgenommen.

Und mein Verlangen nach Süßem hat sich so krass reduziert, es ist quasi nicht vorhanden.

Durch den Verzicht auf Zucker werden die Geschmacksknospen sensibilisiert und neutralisiert, wodurch eine Entwöhnung von einer extrem unnatürlichen Süße stattfindet.

Haut

Ein weiterer positiver Effekt war, dass meine Haut reiner geworden ist. Da ich einige Monate vorher die Pille abgesetzt und entsprechende Schwierigkeiten hatte, kam mir diese Auswirkung natürlich besonders entgegen.

Zucker wirkt entzündungsfördernd, weshalb ein hoher Zuckerkonsum die Haut schneller altern lässt und sie anfälliger für Unreinheiten, Entzündungen, Pickel und Akne macht.

Nach der Fastenzeit

Der Vollständigkeit halber, weil ich auch danach gefragt wurde: ich habe nicht abgenommen. Das war auch nicht mein Ziel, was bei Vielen zu Unverständnis geführt hat weil sie nicht verstanden haben warum ich sonst auf Zucker verzichte. Bestimmt kann der Verzicht auf Zucker aber einen positiven Effekt auf das Gewicht haben, je nachdem wie die Ernährungsgewohnheiten sonst so waren. Ich habe mich vorher schon sehr gesund ernährt.

Jedenfalls habe mir die sechs Wochen so gut getan, dass ich beschlossen hatte, mich weiterhin zuckerfrei zu ernähren. Allerdings habe ich die „Regeln“ für mich ein wenig gelockert.

Ich habe mir Zuckerersatzprodukte geholt wie Erythrit oder Xylit, wobei ich sagen muss, dass ich dennoch kaum darauf zurück greife. Besser finde ich Datteln und Dattelzucker wenn ich irgendwas Süßes mache oder backe. Schokolade mit Maltit und vegane Nutella mit Erythrit habe ich aber schon, falls es mich doch mal überkommt.

Ich gehe supergern essen. Meistens wird in Restaurants mit Zucker gekocht, was für mich heißt, ein Auge zuzudrücken und dann nicht ganz so konsequent zu sein.

Ich werde oft gefragt, ob ich denn noch Spaß am Leben hätte weil ich auf Zucker verzichte und mich überwiegend vegan ernähre. Und was soll ich sagen? Der Verzicht auf Zucker, so wie ich es für mich als in Ordnung befinde, gibt mir so viel Energie und Vitalität, dass sich mir die Frage gar nicht erst stellt. Wie gesagt, ich mache auch Ausnahmen. Aber wie das immer so ist im Leben, ist das richtige Maß entscheidend. Mir ist meine Gesundheit wichtiger als Zucker, denn das bedeutet für mich Lebensqualität. Und dann macht es mir Spaß so zu leben wie ich es eben tue.

Viel eingeschränkter wäre ich, würde ich all das konsumieren, was aus gesellschaftlicher Sicht „zum Spaß im Leben“ dazu gehört und dann mit gesundheitlichen Konsequenzen leben müssen, wie es so viele tun. Wo bleibt denn da der Spaß? Was habe ich davon, wenn ich 30 Minuten Zeug in mich reinschaufle, dass mich 5 Tage schlecht fühlen lässt?

Wenn ich mich 5 Tage lang bewusst und gesund ernähre, dann machen mir die 2 Tage „Sünde“ auch nichts aus. Ich entscheide mich dann ganz bewusst für „böse“ Lebensmittel und lebe dann ggf. mit den Konsequenzen – weil ich etwas nicht vertrage z.B. Bloß wenn das Verhältnis umgekehrt ist, dann ist das zwar ein Anfang aber auf Dauer bewirke ich damit nichts in meinem Körper sondern schade ihm vielmehr.

Natürlich heißt es auch, mich mit Essen zu befassen und entsprechend zu planen. Die meiste Zeit über Disziplin aufzubringen. Das ist für Viele anstrengend. Aber aus schlicht reiner Faulheit heraus nichts zu tun, finde ich persönlich gedankenlos. Wer abnehmen will oder einen bestimmten Trainingsplan hat, macht sich auch Gedanken zu seiner Ernährung und plant.

Für mich bedeutet (weitestgehend) zuckerfrei zu leben also Freiheit und Lebensqualität. Wer etwas in seinem Leben verändern möchte, muss es auch tun. Go for it!

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