Die Masken, die wir tragen

Jeder von uns nimmt in seinem Leben unterschiedliche Rollen ein und sie verändern sich im Laufe unseres Lebens. Wir sind Tochter oder Sohn, Schwester oder Bruder, Freund oder Freundin, Ehemann oder Ehefrau, Partner oder Partnerin, Angestellte/r, Chef/in, Tänzer/in, etc. In jeder dieser Rollen verhalten wir uns unter Umständen auf verschiedene Art und Weise weil es in dieser Situation so sein muss, weil es in eben dieser Rolle so sein muss. Und das ist auch gut so.

Im Sinne der persönlichen Weiterentwicklung entwicklen wir auch ein Bild von uns selbst, eine Vision, ein Ziel, wie wir sein möchten. Und auch das ist gut so. Ziele sind wichtig und über sich hinaus zu wachsen ist ebenfalls wichtig, sonst weiß man ja gar nicht welche Potentiale in einem selbst verborgen sind und wie weit die eigene Komfortzone ausgedehnt werden kann.

Problematisch wird es nur dann, wenn wir eine Maske aufsetzen und nicht mehr authentisch leben. Und alle denken, du seist authentisch obwohl es in dir ganz anders aussieht. Wenn du auf Gedeih und Verderb deine Rolle von dir selbst so spielst als wärst du in einem Dauerkinofilm. Wenn du eine Maske aufsetzt.

Viele Menschen verstecken sich hinter einer Maske, um ihr wahres ICH zu schützen. Sie errichten eine Schutzmauer, hinter der sie sich verstecken, weil sie denken, dass sie so ihre Gefühle schützen können. Sie haben Angst, verletzt zu werden, deshalb entscheiden sie sich, niemanden richtig nah an sich ranzulassen und verschliessen ihr Herz, sodass sie nicht angreifbar sind.

Masken und Rollen kosten viel Energie, Konzentration, Gesundheit.

Diese Energie kannst du für etwas anderes einsetzen, wenn du wüsstest das du diese Rolle oder Maske nicht benötigst.

Warum kannst du nicht sein, wer du bist? Dein Ziel verfolgen und dabei trotzdem authentisch bleiben? Dir selbst, deinen Werten treu bleiben? Mit welchem Verhalten bekommst du das Maximum an Aufmerksamkeit?

Wer bist du ohne deine Maske(n)?

Und: Wann ruhst du in dir selbst?

Es kann sich lohnen, die Gedanken darüber zu machen, wer du eigentlich bist, ohne alle deine Masken.

 

 

 

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Warum der letzte Eindruck wichtiger ist als der erste

Es wird ja immer erzählt, dass der erste Eindruck so wichtig ist und das nur dieser zählt. Es gibt viele Statements dazu, eins davon ist:

Es braucht …

  • 7 Sekunden um einen ersten Eindruck zu hinterlassen
  • 7 Minuten um ihn zu revidieren
  • 7 Jahre um aus der Schublade wieder rauszukommen

Ich weiß nicht ob das so ganz richtig ist, vor allem wenn wir über Empathie und Menschenkenntnis sprechen. Ich gehe damit d’accord, dass ein erster Eindruck wichtig für bspw. Präsentationen ist oder bei einem Geschäftstermin.

Ich möchte das aber gerne umkehren und behaupte, dass der letzte Eindruck womöglich entscheidender und wichtiger ist. In meinen Augen kannst du damit innerhalb von einem Augenblick zerstören, was du vorher aufgebaut hast.

Z.B. wenn jemand sagt, wie wichtig es ist, Menschen gleich zu behandeln, der-/diejenige die ganze Zeit über sich in deiner Gegenwart auch entsprechend verhält, du aber beim verabschieden mitbekommst, wie der Umgang mit dem Garderobenpersonal ist.

Oder – der Klassiker, weil man es ständig nachlesen kann – wie jemand ein Unternehmen verlässt. Oder wie du eine Veranstaltung verlässt oder dich im Vorstellungsgespräch verabschiedst: Wer auf den letzten Metern nicht mehr durchhält, macht sich seine ganzen mühsam aufgebauten Beziehungen zunichte, verliert „Land“, das er nicht wiedergutmachen kann. Er verbaut sich zukünftige Chancen.

Wie sich jemand „vom Acker macht“, welchen letzten Eindruck er oder sie hinterlässt, sagt viel über dessen Persönlichkeit aus. (Was einen eigenen Blogbeitrag wert wäre).

Vielleicht lässt es sich mit folgendem Spruch gut ausdrücken:

Der erste Eindruck zählt (oder färbt das Urteil), der letzte Eindruck bleibt.

Daher meine Einladung an dich zu reflektieren: Wie willst du in Erinnerung behalten werden?

Was heißt es eigentlich, über Menschenkenntnis zu verfügen?

Ich muss ja manchmal (innerlich, aber ab und zu auch laut) lachen, wenn mir jemand erzählt, über Menschenkenntnis zu verfügen und sich diese selbst bescheinigt. Weil viele glauben, Menschenkenntnis sei die Fähigkeit, den Charakter eines anderen vollumfänglich beurteilen bzw. bewerten zu können. Aufgrund von Sekunden. Wie immer ist das aber nur die halbe Wahrheit.

Eine Begriffserläuterung könnte sein: Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, anhand des ersten Eindrucks den Charakter, die Absichten und das zukünftige Verhalten eines Menschen korrekt zu interpretieren und zu beurteilen.

Nach dieser Definition wundert es mich nicht, dass diese Fähigkeit eine so begehrte  Qualifikation ist. Aber auch umso unwahrscheinlicher, dass tatsächlich so viele Menschen angeblich darüber verfügen.

Wenn wir einen Menschen kennenlernen, machen wir uns innerhalb von einigen Sekunden ein Bild und schlimmstenfalls ist dieses Bild für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt. Natürlich haben viele ein Gespür für jemand anderen aufgrund dessen eine erste Einschätzung getroffen wird. Und dieser Instinkt ist auch an sich gut, denn er schützt uns auch.

Nur dürfen wir nicht den Fehler machen, aus einer Arroganz heraus zu urteilen und zu denken, wir wüssten über den Anderen Bescheid.

Das, was du über mich denkst, bin nicht ich. Das bist du.

Wie oft kommt es denn vor, dass wir zu einer Person irgendwann mal sagen „Ich habe dich am Anfang ganz anders eingeschätzt.“ oder „Du warst mir am Anfang total unsympathisch.“ Schuld daran ist der sog. Bestätigungsfehler. Heißt, wir sehen unser erstes Urteil immer wieder bestätigt, während widersprüchliches Verhalten unbewusst ausgeblendet wird. Der wahre Charakter des Gegenübers bleibt dadurch möglicherweise unerkannt, doch die Meinung über die eigene Menschenkenntnis bleibt unangetastet.

Erst wenn wir jemanden besser kennenlernen, können wir uns ein umfassendes Bild von dem anderen Menschen machen.

Menschenkenntnis ist keine Fähigkeit, die von Geburt an besteht. Menschenkenntnis entwickelt sich über die Jahre hinweg, aufgrund unserer persönlichen Erfahrungen mit anderen Menschen.

Damit kann Menschenkenntnis auch erlernt werden. Aber es gib keine Checkliste, die man abarbeiten kann und danach über Menschenkenntnis verfügt. Vielmehr entsteht diese als Ergebnis eines langen Prozesses, für den vor allem eben diese persönliche Erfahrungen mit anderen Menschen nötig sind.

Kenne dich selbst
Um andere einschätzen zu können, sollte erstmal die Kenntnis über die eigene Person gefestigt werden. Denn nur dann kann Menschenkenntnis auf andere Personen angewandt werden.

Mach dir bewusst:

Was sind meine Werte? Was sind meine Schwächen und Stärken? Wovon träume ich? Was sind meine Ziele? Wie weit würde ich gehen, um diese Ziele zu erreichen? Wie wirke ich auf andere?

Wer sich selbst nicht richtig kennt und einschätzen kann, der wird auch bei anderen daneben liegen.

Körpersprache lesen

Das wir hauptsächlich über nonverbale Signale, also über unseren Körper, kommunizieren, ist inzwischen schon ziemlich bekannt. Deswegen ist es wichtig, die Körpersprache Anderer zu verstehen um eine wirklich gute Menschenkenntnis entwickeln zu können.

Achte daher auf Haltung, Mimik, Gestik und vor allem Blickkontakt.

Wortwahl verstehen

Wie sich jemand ausdrückt, welche Worte er/sie wählt, lässt sehr deutlich auf Einstellungen und Überzeugungen schließen. D.h. also, im nächsten Schritt kannst du dich mit den Inhalten beschäftigen.

Wie argumentiert dein Gesprächspartner? Sachlich oder emotional? Wie erzählt er? Schmückt er aus oder konzentriert er sich auf das Wesentliche?

Je mehr Informationen du aufnimmst, desto konkreter wird dein Bild.

Because you know nothing

Hinterfrage dich regelmäßig, ob dein anfänglicher Eindruck auch nach einiger Zeit noch korrekt ist. Beziehe eine aktuelle Situation und das Umfeld mit in deine Einschätzung ein – was nicht bedeutet zu lästern. 😉

Ich bin nicht entweder oder – ich bin sowohl als auch

Ich hab da so ein Problem mit diesen Persönlichkeitstest. Oder mit so Fragen, die dazu dienen, jemanden in die eine oder andere Schublade zu stecken.

Wir versuchen damit, Menschen einzuschätzen und uns selbst zu orientieren. Aber ich finde, dass niemand entweder nur so oder so ist. Ich erlebe es an mir. Wie oft wurde ich in bestimmte Kategorien gesteckt oder habe Aussagen gehört wie „DAS hätte ich dir NIE zugetraut“. Ja, weil wir nämlich nur Facetten einer Persönlichkeit kennen.

Ich bin sowohl als auch.

Und das ist jeder Mensch. Jeder hat Farbschattierungen in seiner Persönlichkeit, um mal bei dem Bild der Tests zu bleiben. Manche Nuancen sind ausgeprägter als andere und in Stresssituationen oder je nach Rolle, kommt die ein oder andere Facette stärker zur Geltung. Aber ich habe ein echtes Problem damit, immer nur eins zu sehen. So gehe ich auch auf Menschen zu – mit der Annahme, dass alles in einem ist. Und in gewisser Weise auch ein Spiegel meiner selbst.

Ich finde die Idee davon, sowohl als auch zu sein, so befreiend. Das bedeutet nämlich, dass du alles sein kannst, was du willst. Und deine Limitationen in deinem Kopf stattfinden. Nirgendwo sonst.

Ntürlich kann es hilfreich sein, eine Orientierung zu bekommen wenn man selbst nicht mehr weiß wo man steht und wer man ist. Oder es kann helfen, andere Menschen schneller einzuschätzen. Was aber eigentlich abhanden kommt, ist das Gespür für andere.

Was schlimmstenfalls passiert, ist sich auf diesen Eingruppierungen auszuruhen und zusagen „So bin ich halt. Steht ja auch hier.“ Quasi als Freifahrtsschein um nix ändern zu müssen. Oder um das zu sehen, was man sehen möchte. Sich mit jemanden nicht weiter auseinander setzen zu brauchen, weil er ja so ist wie ich es mir in meiner Wahrnehmung gerade so ausgedacht habe.

Wie sind deine Gedanken dazu?

Und welche deiner Facetten würdest du gerne ausbauen, wenn da nicht diese geistige Limitation wäre?

 

Wie kann ich empathisch werden?

Emotionen werden vor allem im Business noch immer als Schwäche betrachtet, aber die Kenntnis über die eigenen Gefühle und die Fähigkeit, sich in die Lage Anderer zu versetzen, wird immer wichtiger.

Was sich konkret hinter Empathie verbirgt, kannst du in meinem Video anschauen.

In jedem Fall ist Empathie eine herausragende Eigenschaft, die du sogar entwickeln kannst wenn du deine Einstellung änderst. Hier sind einige Anregungen, wie du deine Empathiefähigkeit stärken kannst.

Offenheit

Eine Beziehung zu Anderen wirst du nur aufbauen können, wenn du unvoreingenommen auf Menschen zugehst. Versuche auch bei Menschen, die du als schwierig empfindest, positive Eigenschaften zu erkennen und von deinem vorgefertigten Bild abzuweichen.

Auch wenn es dir schwer fällt – lass dich auf die Gefühle Anderer ein. Versuche, sie bewusst wahrzunehmen und zu beachten. Und es gibt mehr Gefühle als Freude, Wut  und Trauer.

Geduld

Es dauert, sich selbst, Andere und zwischenmenschliche Emotionen besser kennenzulernen. Je mehr ein Mensch in seinem Leben, oftmals Schlimmes, erlebt hat, desto eher hat dieser die Fähigkeit, sich auf die Stimmungen anderer einzulassen – weil er sie entwickeln musste.

Gib dir also die nötige Zeit um empathisches Denken und Handeln umzusetzen. Beginne mit dir selbst – sei dir selbst gegenüber empathisch.

Hilfreich kann es auch sein, sich privat auszutauschen. Z.B. bei einem Kaffee, eine gemeinsame Mittagpause oder ein Feierabendbier. In diesen Situationen öffnen sich Mitmenschen oft und zeigen mehr Emotionen.

Beobachten

Hast du schon mal deine Mitmenschen beobachtet? Z.B. deine Arbeitskollegen? Welche Gewohnheiten haben sie? Wie arbeiten sie? Wie reagieren sie in bestimmten Situationen oder auf verschiedene Auslöser?

Wenn du z.B. erkennst, dass dein Kollege morgens erst einmal einen Kaffee braucht und in Ruhe seine E-Mails lesen möchte, kannst du darauf Rücksicht nehmen, anstatt diesen direkt mit Fragen zu belagern.

Interesse

Wenn du verstehst, was deinen Kollegen wichtig ist oder was sie begeistert, kannst du Beweggründe und Emotionen besser nachvollziehen. Interessiere dich also für deine Mitmenschen – vielleicht finden sich dadurch sogar Gemeinsamkeiten.

Fragen

Wir gehen allzu oft davon aus, zu wissen, was der andere mit seinen Äußerungen meint. Dadurch entstehen oft Konflikte, denn wir lesen nicht zwischen den Zeilen. Frage genau nach, wie dein Gegenüber etwas gemeint hat um sicher zu gehen, dass ihr auf einer Wellenlänge seid.

Vielleicht denkst du dir jetzt, dass das doch alles ganz banal ist. Aber wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist – wie viel Zeit nimmst du dir selbst um dein Gegenüber zu verstehen?