Was du brauchst um Gewohnheiten zu verändern

Unser Leben wird bestimmt von unseren Gewohnheiten, ob wir wollen oder nicht. Mit manchen kommen wir super durch den Alltag, andere sind nervig oder stehen uns sogar im Weg.

Wie wir morgens in den Tag starten, welche Musik wir hören, wie wir unsere Arbeit organisieren, was wir Essen, wie wir reden, ob wir Sport machen und wie. Hinter all dem stecken Gewohnheiten. Und die machen bis zu 50% unseres täglichen Handelns aus. Sie sind so eingeübt, dass sie uns gar nicht mehr auffallen, es ist ein Automatismus.

Und was eingeschliffen ist, ist schwer zu verändern. Egal ob positiv oder negativ. Da wundert es dann nicht, wenn wir nach einer Weil frustriert aufgeben, wenn wir eneue Gewohnheit nicht gleich nach ein paar Tagen verinnerlicht haben.

Es kursieren ja allerhand verschiedene Zahlen durch das Internet, die belegen sollen, wie lange es braucht um Gewohnheiten tatsächlich zu verändern:

21 Tage

Eine Zahl, die ihren Ursprung in den 1950er Jahren findet, als der plastische Chirurg Maxwell Maltz feststellt, dass seine Patienten durchschnittlich 21 Tage brauchen, um sich an die Veränderung nach einem chirurgischen Eingriff zu gewöhnen.

Eine Zahl, die vor allem von Beratern geschickt aufgegriffen und vermarktet wurde. Zu behaupten, jegliche Gewohnheit in 21 Tagen ändern zu können, ist schlichtweg Quatsch.

30 Tage

Problem erkannt, Problem gebannt. 21 Tage sind zu kurz, also wurde der Zeitraum einfach auf 30 Tage erhöht. Das ergibt einen ganzen Monat, klingt rund, vielversprechend, einfach.

Und ist genauso falsch.

Klar, nach 30 Tage sind die Chancen höher etwas zu verändern aber nicht dauerhaft. Der Zeitraum hilft allenfalls, etwas Neues auszuprobieren und anschließend zu beurteilen ob es einem taugt.

66 Tage

Das ist jetzt zumindest eine Zahl, die einer Studie entspringt. In der Studie ging man der Frage nach, wie lange es dauert, eine Gewohnheit zu ändern und wurde mit 96 Teilnehmern durchgeführt.

Die Teilnehmer mussten sich für eine ihrer Gewohnheiten entscheiden sie zu ändern und wurden täglich gefragt, inwiefern das neue Verhalten schon in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Ergebnis war, dass im Durchschnitt bei allen Teilnehmern nach 66 Tagen ein stabiles Niveau erreicht wurde.

Jetzt das Aber. ABER!

Die Dauer, die die Teilnehmer für die Veränderung brauchten, variierte zwischen 18 und 254 Tagen. Die 66 Tage sind nur ein Mittelwert, der zwar für einen großen Teil, aber nicht für alle zutrifft.

Ob es dir gelingt, etwas zu verändern, hängt von vielen Faktoren ab. Daher schwankt auch die Anzahl der Tage, die du für eine Veränderung brauchst. Hier ein paar Beispiele:

Schwierigkeitsgrad

Was einfach umzusetzen ist, ist schnell antrainiert. Je schwieriger also eine Gewohnheit ist, desto länger dauert es. Damit ist zum Beispiel erklärbar, warum es mehr Abnehmer von Schlankheitspillen gibt als Leute, die Sport machen. Eine Pille ist schnell eingeworfen, Sport zu machen stellt sich schon als komplexer heraus.

Alter der Gewohnheit

Was wir Zeit unseres Lebens mit uns herum schleppen weil wir es seit unserer Kindheit so eingeübt haben, ist selten in kurzer Zeit wieder loszuwerden. Überleg dir das mal: du bist es gewohnt, seit X Jahren (X = dein Lebensalter) auf eine bestimmte Art zu handeln. Und jetzt willst du dieses Verhalten oder diese Gewohnheit innerhalb kürzester Zeit verändern oder loswerden. Das kann gar nicht funktionieren. Ausnahmen ausgeschlossen natürlich.

Disziplin

Ja, es ist einfach so. Wer etwas verändern will, muss halt auch was dafür tun und dran bleiben. Das ist ein entscheidender Faktor. Wer abnehmen will, muss eben konsequent dran bleiben und darf sich nicht wundern, dass bei ein Mal pro Woche Sport und gleicher Ernährung nichts passiert. Abnehmen ist ein so wunderbares Beispiel.

Viele machen aber auch gerne ihr Umfeld dafür verantwortlich. Sie können nicht abnehmen weil der Bäcker an der Ecke in der Auslage einen so tollen Kuchen stehen hat. Oder die Kollegin hat wieder leckere Teilchen mitgebracht.

Nein! Es liegt allein an dir und deiner Einstellung dazu.

Motivation

Willst du zu einem Morgenmenschen werden nur weil du gelesen hast, dass es die besseren Menschen sind? Dann ist vollkommen klar, dass aus deinem Vorhaben nichts werden kann. Wie bei den Neujahresvorsätzen.

Die Motivation, etwas zu verändern, können aber durch außergewöhnliche Ereignisse durchaus beeinflusst werden und Veränderungen auf ein Niveau zulassen, das uns als nicht möglich erschien.

Menschen, die im Sterben lagen, ändern häufig ihr komplettes Leben. Raucher, denen Lungenkrebs diagnosiziert wurde, hören mit dem Rauchen auf. Menschen, bei denen Diabetes festgestellt wird, verändern ihre Essgewohnheiten. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Du kennst sicher einige eigene Beispiele.

Der Clue hierzu ist die Emotion. Mit solchen Ereignissen werden große Emotionen verbunden und können sich deswegen im Hirn schnell festsetzen.

Frühere Erfahrungen

Wenn du festgestellt hast, dass du früher nicht weit gekommen bist mit Veränderungen, wird sich diese Erfahrung bei dir einprägen. Aber genauso auch die erfolgreichen Veränderungen. Mach dir bewusst, was du in deinem Leben schon erreicht und verändert hast. Mit jeder erfolgreichen Gewohnheitsänderung verkürzt sich die dafür benötigte Zeit.

Interessen

Du möchtest deine Ernährung umstellen und jeden Tag etwas Gesundes kochen? Wenn dir Kochen nicht liegt, wirst du dir damit schwer tun und du wirst lange dafür brauchen.

Du besitzt Rythmusgefühl und hast ein Ohr für Musik? Dann wirst du wahrscheinlich  deutlich weniger Zeit brauchen, täglich mit dem Tanzen zu üben.

Was dir leicht von der Hand geht und deinen Interessen entspricht, verkürzt die Zeit zum Ändern einer Gewohnheit oder dir eine neue anzutrainieren.

Schmerz

Je höher der Schmerz ist, und je niedriger deine Fähigkeit ist, diesen zu ertragen, desto schneller geht es mit der Veränderung. Wir kennen das ja: Menschen ändern sich oft erst, wenn der Schmerz zu groß wird.

Ein Klassiker ist der Job. Wie viele Menschen in deinem persönlichen Umfeld kennst du – dich eingeschlossen – die mit ihrem Job unzufrieden sind aber nichts daran ändern (wollen)? Da spielt zum einen sicher Bequemlichkeit eine Rolle aber eben auch der damit verbundene Schmerz. Wenn alles auf die Waagschale geschmissen wird, ist der Schmerz dann wohl doch nicht so hoch.

Zu viel auf einmal

Wenn du dir zu viel auf einmal vornimmst, zu viele Gewohnheiten gleichzeitig verändern willst, wirst du früher oder später daran verzweifeln weil es dich überfordert. Manchmal bringt die Veränderung einer Gewohnheit eine zusätzliche Neue mit sich oder die Veränderung einer weiteren, quasi als Nebenprodukt.

Bleib locker und sei geduldig mit dir. Und achte darauf, dass sich deine Änderungsziele nicht widersprechen.

Vorbereitung

Einer der größten Fehler ist es, sich nicht richtig auf eine Änderung vorzubereiten.

Wenn du zum Läufer werden willst und sofort damit beginnst, ist das Scheitern fast schon vorprogrammiert. Dir fehlen die richtigen Schuhe und nach der ersten Runde schmerzen dir deswegen die Knie.

Spontan ist gut aber durchdacht ist besser. Damit steigt die Chance um ein Vielfaches, eine Gewohnheit erfolgreich zu ändern. Analog dazu verkürzt sich die dazu benötigte Zeit, weil du viel weniger Rückschläge verkraften musst.

Wunder geschehen zwar immer wieder aber bei der Veränderung von Gewohnheiten wohl eher weniger. Mach dir also ganz bewusst, was du brauchst, um eine ungeliebte Gewohnheit auch wirklich verändern zu können oder eine Neue anzutrainieren.

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Mir doch egal was du über mich denkst

Mit „Lasse Redn“ haben Die Ärzte bereits 2007 einen Appell losgetreten, Menschen mehr sein zu lassen und sich nicht so sehr an Anderen zu orientieren. Sympathisch. Und obwohl jeder behauptet, keinen Wert auf die Meinung anderer zu legen, beschäftigen wir uns doch ständig damit was andere so über uns denken.

Und wir beschäftigen uns, wenn wir ehrlich sind, auch gerne mit Anderen. Vielleicht weil fremde Probleme angenehmer sind als die eigenen? Und man kann so wunderbar von sich selbst ablenken. Oder vielleicht ist das eigene Leben einfach zu langweilig?

Entscheidungen, die du für dich und dein Leben triffst, werden andere nicht unbedingt  mögen. Du kennst das: alleine der Name deines Kindes, der Jobwechsel, deine Trennung. You name it. Hinter diesen Veruteilungen stecken individuelle Erfahrungen, das individuelle Weltbild und dementsprechend oft auch Glaubenssätze.

Solange du aber hinter deinen Entscheidungen stehst, kann dir die Meinung anderer egal sein.

Dabei geht es mir nicht darum, dir zu empfehlen, den Ratschlag anderer zu ignorieren. Im Gegenteil. Diese können Gold wert sein. Aber dennoch musst du deine eigene Entscheidung treffen. Die, die für dich passend ist. Weil wir einzigartig sind und somit können unsere Leben nicht alle gleich aussehen.

Und ganz egal welche Entscheidungen du triffst – es wird immer irgendwen geben, der diese nicht akzeptiert. Aber: dich muss nicht jeder mögen. Geht ja auch gar nicht, sonst müsstest du dich jedes mal anpassen und dabei keine eigene Meinung vertreten. Und das würde bedeuten, dass du selbst nicht weißt wofür du stehst und dir auch nicht genug Selbstwert einräumst um so zu sein, wie du in Wirklichkeit bist.

Wahre Freiheit ist dann, wenn es dir vom Grunde deines Herzens einfach mal egal ist, was andere über dich denken. Solange du mit dir zufrieden bist, ist alles okay. Du weißt, dass dein Selbstwert nicht von anderen abhängt, sondern nur von dir selbst.

Aber wie wird es dir egal was andere über dich denken?

Wie immer ist es so, dass es nicht von heute auf morgen geht. Wenn du konsequent dran bleibst, dann wirst du es schaffen. Zum Beispiel so:

1. Mach dir dein Muster klar

Natürlich ist die berühmte Selbsterkenntnis der erste Schritt Richtung „Besserung“. Damit du überhaupt etwas verändern kannst, musst die darüber klar werden, wie du überhaupt tickst – wie du denkst und handelst.

  • In welchen Situationen hältst du dich zurück, nur um anderen zu gefallen?
  • Was tust du alles, um gut anzukommen und nicht anzuecken?
  • Wann denkst du besonders häufig darüber nach?

Immer, wenn dich dich dabei erwischt, wie du Anderen gefallen willst oder nach dem Mund redest, schreibst du es auf. Und dahinter schreibst du, wie du dich eigentlich lieber verhalten hättest. Du kannst bspw. auch konkrete Sätze formulieren. Das wird dir deine Reaktion das nächste Mal erleichtern.

So bekommst du nach und nach ein genaueres Bild darüber, in welchen Situationen deine Muster greifen und fängst an, so zu handeln, wie du eigentlich möchtest.

2. Realisiere, was dir wichtig ist

Wenn du nicht weißt, was dir wichtig ist – welche Motivationen du hast, Werte und Überzeugungen, kannst du natürlich auch nicht danach handeln. Begib dich also auf Spurensuche – je selbstBEWUSSTER du bist, desto mehr Selbstvertrauen entwickelst du und damit auch dein Selbstwertgefühl.

Und mit diesen Erfolgserlebnissen befreist du dich immer mehr von der Meinung anderer.

Fang also an, neue Dinge auszuprobieren und dir zu überlegen, was du wirklich willst im Leben. Du findest es heraus, indem du es einfach machst. Schreibe deine Ideen auf, erlaube dir zu träumen und setze sie einfach in die Tat um!

3. Entscheide

Such dir bewusst vielleicht erstmal einfachere Situationen, in welchen du Entscheidungen triffst. Übe dich darin, nach deinen Werten und Vorstellungen, die du im vorherigen Schritt entdeckt hast, zu handeln und dich zu entscheiden.

Du wirst sehen, es ist nicht so schlimm wie du es dir vorgestellt hast.

4. Stell dich deinen Ängsten

Wenn du feststellst, dass du anderen Menschen mehr Wert gibst als dir selbst, kann es sich lohnen zu überlegen, wovor du genau eigentlich Angst hast. Oder wenn du dich nicht traust, deine Idee umzusetzen. Dann mache genau das! Trau Dich!

Stell dich deinen Ängsten. Du wirst feststellen, dass dich jedes Mal ein Glücksgefühl übermannt und du dadurch diese Ängste hinter dir lässt.

Handeln is the key

Fakt ist, dass sich die wenigsten Dinge durch Nachdenken verändern. Wenn du mit etwas unzufrieden bist, dir einen anderen Zustand wünscht, musst du handeln!

Deinen eigenen Weg gehen, dich selbst kennenlernen und entdecken. Allein dadurch  verschwindet dein Muster von ganz alleine.

Viel Erfolg!

Die Masken, die wir tragen

Jeder von uns nimmt in seinem Leben unterschiedliche Rollen ein und sie verändern sich im Laufe unseres Lebens. Wir sind Tochter oder Sohn, Schwester oder Bruder, Freund oder Freundin, Ehemann oder Ehefrau, Partner oder Partnerin, Angestellte/r, Chef/in, Tänzer/in, etc. In jeder dieser Rollen verhalten wir uns unter Umständen auf verschiedene Art und Weise weil es in dieser Situation so sein muss, weil es in eben dieser Rolle so sein muss. Und das ist auch gut so.

Im Sinne der persönlichen Weiterentwicklung entwicklen wir auch ein Bild von uns selbst, eine Vision, ein Ziel, wie wir sein möchten. Und auch das ist gut so. Ziele sind wichtig und über sich hinaus zu wachsen ist ebenfalls wichtig, sonst weiß man ja gar nicht welche Potentiale in einem selbst verborgen sind und wie weit die eigene Komfortzone ausgedehnt werden kann.

Problematisch wird es nur dann, wenn wir eine Maske aufsetzen und nicht mehr authentisch leben. Und alle denken, du seist authentisch obwohl es in dir ganz anders aussieht. Wenn du auf Gedeih und Verderb deine Rolle von dir selbst so spielst als wärst du in einem Dauerkinofilm. Wenn du eine Maske aufsetzt.

Viele Menschen verstecken sich hinter einer Maske, um ihr wahres ICH zu schützen. Sie errichten eine Schutzmauer, hinter der sie sich verstecken, weil sie denken, dass sie so ihre Gefühle schützen können. Sie haben Angst, verletzt zu werden, deshalb entscheiden sie sich, niemanden richtig nah an sich ranzulassen und verschliessen ihr Herz, sodass sie nicht angreifbar sind.

Masken und Rollen kosten viel Energie, Konzentration, Gesundheit.

Diese Energie kannst du für etwas anderes einsetzen, wenn du wüsstest das du diese Rolle oder Maske nicht benötigst.

Warum kannst du nicht sein, wer du bist? Dein Ziel verfolgen und dabei trotzdem authentisch bleiben? Dir selbst, deinen Werten treu bleiben? Mit welchem Verhalten bekommst du das Maximum an Aufmerksamkeit?

Wer bist du ohne deine Maske(n)?

Und: Wann ruhst du in dir selbst?

Es kann sich lohnen, die Gedanken darüber zu machen, wer du eigentlich bist, ohne alle deine Masken.

 

 

 

Warum der letzte Eindruck wichtiger ist als der erste

Es wird ja immer erzählt, dass der erste Eindruck so wichtig ist und das nur dieser zählt. Es gibt viele Statements dazu, eins davon ist:

Es braucht …

  • 7 Sekunden um einen ersten Eindruck zu hinterlassen
  • 7 Minuten um ihn zu revidieren
  • 7 Jahre um aus der Schublade wieder rauszukommen

Ich weiß nicht ob das so ganz richtig ist, vor allem wenn wir über Empathie und Menschenkenntnis sprechen. Ich gehe damit d’accord, dass ein erster Eindruck wichtig für bspw. Präsentationen ist oder bei einem Geschäftstermin.

Ich möchte das aber gerne umkehren und behaupte, dass der letzte Eindruck womöglich entscheidender und wichtiger ist. In meinen Augen kannst du damit innerhalb von einem Augenblick zerstören, was du vorher aufgebaut hast.

Z.B. wenn jemand sagt, wie wichtig es ist, Menschen gleich zu behandeln, der-/diejenige die ganze Zeit über sich in deiner Gegenwart auch entsprechend verhält, du aber beim verabschieden mitbekommst, wie der Umgang mit dem Garderobenpersonal ist.

Oder – der Klassiker, weil man es ständig nachlesen kann – wie jemand ein Unternehmen verlässt. Oder wie du eine Veranstaltung verlässt oder dich im Vorstellungsgespräch verabschiedst: Wer auf den letzten Metern nicht mehr durchhält, macht sich seine ganzen mühsam aufgebauten Beziehungen zunichte, verliert „Land“, das er nicht wiedergutmachen kann. Er verbaut sich zukünftige Chancen.

Wie sich jemand „vom Acker macht“, welchen letzten Eindruck er oder sie hinterlässt, sagt viel über dessen Persönlichkeit aus. (Was einen eigenen Blogbeitrag wert wäre).

Vielleicht lässt es sich mit folgendem Spruch gut ausdrücken:

Der erste Eindruck zählt (oder färbt das Urteil), der letzte Eindruck bleibt.

Daher meine Einladung an dich zu reflektieren: Wie willst du in Erinnerung behalten werden?

Was heißt es eigentlich, über Menschenkenntnis zu verfügen?

Ich muss ja manchmal (innerlich, aber ab und zu auch laut) lachen, wenn mir jemand erzählt, über Menschenkenntnis zu verfügen und sich diese selbst bescheinigt. Weil viele glauben, Menschenkenntnis sei die Fähigkeit, den Charakter eines anderen vollumfänglich beurteilen bzw. bewerten zu können. Aufgrund von Sekunden. Wie immer ist das aber nur die halbe Wahrheit.

Eine Begriffserläuterung könnte sein: Menschenkenntnis ist die Fähigkeit, anhand des ersten Eindrucks den Charakter, die Absichten und das zukünftige Verhalten eines Menschen korrekt zu interpretieren und zu beurteilen.

Nach dieser Definition wundert es mich nicht, dass diese Fähigkeit eine so begehrte  Qualifikation ist. Aber auch umso unwahrscheinlicher, dass tatsächlich so viele Menschen angeblich darüber verfügen.

Wenn wir einen Menschen kennenlernen, machen wir uns innerhalb von einigen Sekunden ein Bild und schlimmstenfalls ist dieses Bild für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt. Natürlich haben viele ein Gespür für jemand anderen aufgrund dessen eine erste Einschätzung getroffen wird. Und dieser Instinkt ist auch an sich gut, denn er schützt uns auch.

Nur dürfen wir nicht den Fehler machen, aus einer Arroganz heraus zu urteilen und zu denken, wir wüssten über den Anderen Bescheid.

Das, was du über mich denkst, bin nicht ich. Das bist du.

Wie oft kommt es denn vor, dass wir zu einer Person irgendwann mal sagen „Ich habe dich am Anfang ganz anders eingeschätzt.“ oder „Du warst mir am Anfang total unsympathisch.“ Schuld daran ist der sog. Bestätigungsfehler. Heißt, wir sehen unser erstes Urteil immer wieder bestätigt, während widersprüchliches Verhalten unbewusst ausgeblendet wird. Der wahre Charakter des Gegenübers bleibt dadurch möglicherweise unerkannt, doch die Meinung über die eigene Menschenkenntnis bleibt unangetastet.

Erst wenn wir jemanden besser kennenlernen, können wir uns ein umfassendes Bild von dem anderen Menschen machen.

Menschenkenntnis ist keine Fähigkeit, die von Geburt an besteht. Menschenkenntnis entwickelt sich über die Jahre hinweg, aufgrund unserer persönlichen Erfahrungen mit anderen Menschen.

Damit kann Menschenkenntnis auch erlernt werden. Aber es gib keine Checkliste, die man abarbeiten kann und danach über Menschenkenntnis verfügt. Vielmehr entsteht diese als Ergebnis eines langen Prozesses, für den vor allem eben diese persönliche Erfahrungen mit anderen Menschen nötig sind.

Kenne dich selbst
Um andere einschätzen zu können, sollte erstmal die Kenntnis über die eigene Person gefestigt werden. Denn nur dann kann Menschenkenntnis auf andere Personen angewandt werden.

Mach dir bewusst:

Was sind meine Werte? Was sind meine Schwächen und Stärken? Wovon träume ich? Was sind meine Ziele? Wie weit würde ich gehen, um diese Ziele zu erreichen? Wie wirke ich auf andere?

Wer sich selbst nicht richtig kennt und einschätzen kann, der wird auch bei anderen daneben liegen.

Körpersprache lesen

Das wir hauptsächlich über nonverbale Signale, also über unseren Körper, kommunizieren, ist inzwischen schon ziemlich bekannt. Deswegen ist es wichtig, die Körpersprache Anderer zu verstehen um eine wirklich gute Menschenkenntnis entwickeln zu können.

Achte daher auf Haltung, Mimik, Gestik und vor allem Blickkontakt.

Wortwahl verstehen

Wie sich jemand ausdrückt, welche Worte er/sie wählt, lässt sehr deutlich auf Einstellungen und Überzeugungen schließen. D.h. also, im nächsten Schritt kannst du dich mit den Inhalten beschäftigen.

Wie argumentiert dein Gesprächspartner? Sachlich oder emotional? Wie erzählt er? Schmückt er aus oder konzentriert er sich auf das Wesentliche?

Je mehr Informationen du aufnimmst, desto konkreter wird dein Bild.

Because you know nothing

Hinterfrage dich regelmäßig, ob dein anfänglicher Eindruck auch nach einiger Zeit noch korrekt ist. Beziehe eine aktuelle Situation und das Umfeld mit in deine Einschätzung ein – was nicht bedeutet zu lästern. 😉

Wie kann ich empathisch werden?

Emotionen werden vor allem im Business noch immer als Schwäche betrachtet, aber die Kenntnis über die eigenen Gefühle und die Fähigkeit, sich in die Lage Anderer zu versetzen, wird immer wichtiger.

Was sich konkret hinter Empathie verbirgt, kannst du in meinem Video anschauen.

In jedem Fall ist Empathie eine herausragende Eigenschaft, die du sogar entwickeln kannst wenn du deine Einstellung änderst. Hier sind einige Anregungen, wie du deine Empathiefähigkeit stärken kannst.

Offenheit

Eine Beziehung zu Anderen wirst du nur aufbauen können, wenn du unvoreingenommen auf Menschen zugehst. Versuche auch bei Menschen, die du als schwierig empfindest, positive Eigenschaften zu erkennen und von deinem vorgefertigten Bild abzuweichen.

Auch wenn es dir schwer fällt – lass dich auf die Gefühle Anderer ein. Versuche, sie bewusst wahrzunehmen und zu beachten. Und es gibt mehr Gefühle als Freude, Wut  und Trauer.

Geduld

Es dauert, sich selbst, Andere und zwischenmenschliche Emotionen besser kennenzulernen. Je mehr ein Mensch in seinem Leben, oftmals Schlimmes, erlebt hat, desto eher hat dieser die Fähigkeit, sich auf die Stimmungen anderer einzulassen – weil er sie entwickeln musste.

Gib dir also die nötige Zeit um empathisches Denken und Handeln umzusetzen. Beginne mit dir selbst – sei dir selbst gegenüber empathisch.

Hilfreich kann es auch sein, sich privat auszutauschen. Z.B. bei einem Kaffee, eine gemeinsame Mittagpause oder ein Feierabendbier. In diesen Situationen öffnen sich Mitmenschen oft und zeigen mehr Emotionen.

Beobachten

Hast du schon mal deine Mitmenschen beobachtet? Z.B. deine Arbeitskollegen? Welche Gewohnheiten haben sie? Wie arbeiten sie? Wie reagieren sie in bestimmten Situationen oder auf verschiedene Auslöser?

Wenn du z.B. erkennst, dass dein Kollege morgens erst einmal einen Kaffee braucht und in Ruhe seine E-Mails lesen möchte, kannst du darauf Rücksicht nehmen, anstatt diesen direkt mit Fragen zu belagern.

Interesse

Wenn du verstehst, was deinen Kollegen wichtig ist oder was sie begeistert, kannst du Beweggründe und Emotionen besser nachvollziehen. Interessiere dich also für deine Mitmenschen – vielleicht finden sich dadurch sogar Gemeinsamkeiten.

Fragen

Wir gehen allzu oft davon aus, zu wissen, was der andere mit seinen Äußerungen meint. Dadurch entstehen oft Konflikte, denn wir lesen nicht zwischen den Zeilen. Frage genau nach, wie dein Gegenüber etwas gemeint hat um sicher zu gehen, dass ihr auf einer Wellenlänge seid.

Vielleicht denkst du dir jetzt, dass das doch alles ganz banal ist. Aber wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist – wie viel Zeit nimmst du dir selbst um dein Gegenüber zu verstehen?

Der Good Guy Contract

Beschreibt den netten Kerl, der alles für eine Frau macht, auch wenn sie seine Ex ist. Oder bei uns in Deutschland auch bekannt als der „Softie“. Ja, auch über Männer muss gesprochen werden und auch die haben mitunter das ein oder andere Problem.

Aber diesen Good Guy Contract kann im Prinzip jeder schließen, auch Frauen. Das sind dann diejenigen, die nicht Nein sagen können bzw. die ausgestattet mit dem Helfersyndrom, immer und überall mithelfen, die sich selbst dabei ganz vergessen.

Also: dieser Artikel ist für alle, auch wenn der Titel die „Guys“ anspricht.

Wenn du jemand bist, der andere nicht verärgern oder enttäuschen möchte und den Gedanken daran auch nicht ertragen kann, dann stehst du jetzt vor der wunderbaren Möglichkeit, glücklicher zu werden.

Lass uns zunächst einen Blick darauf werfen, ob und inwiefern du einen solchen Vertrag geschlossen hast. Übrigens gilt das nicht nur für Liebesbeziehungen sondern auch für platonische, freundschaftliche Verbindungen. Versuche, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wenn du jemanden enttäuscht, verärgerst oder andere dazu bringst, dich nicht zu mögen oder etwas an dir auszusetzen zu haben, egal wie – verursacht das übertriebene/unangemessene Angst in dir?
  • Hast du Schwierigkeiten damit, einen Konflikt mit anderen auszuhalten, auch wenn es ein nur ganz leichter ist?
  • Richtest du deinen gesamten Fokus darauf aus, andere bezüglich ihrer Gefühle und Einstellung dir gegenüber zu beeinflussen?
  • Sind deine Handlungen hauptsächlich davon motiviert, wie dich andere wahrnehmen?

Wenn du alles oder einige Fragen mit JA beantworten kannst, sind das ziemlich gute Indikatoren dafür, dass du viel dafür tust, um ein „Good Guy“ zu sein.

Was kannst du also tun, um damit aufzuhören?

In meinen Augen musst du damit anfangen, Andere zu enttäuschen. Das widerspricht der Lehre des Buddhismus und vermutlich auch vielen anderen Glaubensrichtungen aber wenn du dich weiterentwickeln möchtest, deinen Selbstwert stärken willst, musst du dich mit dem Gedanken anfreunden, Menschen zu enttäuschen.

Was heißt das konkret?

Lerne, Grenzen zu setzen. Warum ist es dir so wichtig, von Allen so gemocht zu werden? Vergisst du dich selbst nicht dabei? Wie sieht es mit dem Respekt der anderen dir gegenüber aus? Fühlst du dich respektiert? Oder ausgenutzt?

Trau dich, ganz auf deine Weise, deutlich „Nein!“ zu sagen. Niemand wird dir wirklich böse sein. Du wirst sehen, dein Umfeld wird irritiert reagieren weil sie von dir anderes gewohnt sind. Aber wer bleibt, hat dich auch verdient.

Fang in kleinen Schritten an und setz dich nicht unter Druck. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt – okay. Wieder aufstehen, Situation reflektieren, überlegen, was du das nächste Mal anders machen kannst, Optionen bereit legen, nochmal ausprobieren.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, deine Grenzen auszuloten. Weil du es wert bist!