Amsterdam – von Bromfiets und Grachten

Tulpen sollte ich mitbringen und „Kekse“ – Ersteres ging klar, zwar aus Holz aber immerhin und aus Letzterem wurden Käse und Schokolade. Der Schrittzähler wäre sicher überfordert gewesen aber glücklicherweise hatte ich ihn nicht dabei, auf meinem Trip nach Amsterdam.

Wider Erwarten hat die KLM alles richtig gemacht, war aber auch ein Direktflug und ich habe es geschafft, nur mit Handgepäck zu fliegen – da kann also nicht so viel schief gehen. Nach einer Stunde Flugzeit endlich angekommen, musste erstmal unser Appartement begutachtet werden, gebucht über airbnb.

Unsere erste Station war Zandvoort, wegen dem Essen. 😀 Wir hatten herausgefunden, dass es dort am Wochenende einen Kulinarischen Markt gibt, konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Unser Geld eingetauscht in „Scharrekops“ erfreuten wir unseren Gaumen auch schon am Käsefondue im Brotbecher – plus Brot.

Satt und zufrieden fällt die Orientierung in Amsterdam Innenstadt dann gleich leichter. Sofort in’s Auge gestochen sind natürlich Omas Falafeln ;-). Und die Fahrradparkhäuser. Auf rund 800.000 Einwohner kommen 600.000 Fahrräder, da braucht man schon ein Parkhaus dafür.

Wir hatten nicht nur mit dem Wetter Glück, sondern auch mit den Veranstaltungen: ein Beatles-Cover-Festival empfing uns, das allerdings nur anfänglich ein solches war und später dann mit niederländischer Volksmusik abgelöst wurde. Aber es gab gute Getränke und witzige Menschen, also hat es Spaß gemacht. Und von den Grachten kann ich einfach nicht genug bekommen. Sooooo schön.

Bewundert haben wir auch die akkurate Bauweise vieler Gebäude und uns über einige skurile und herzallerliebste Eigenheiten amüsiert. Wusstet ihr, dass man früher pro Meter Fläche gezahlt hat? Deswegen sind so viele Häuser sehr schmal aber lang. Und viele Holländer haben keine Vorhänge weil sie zum einen „nichts zu verbergen“ haben und weil es früher eine Vorhangsteuer gab. Und bestimmt kennt ihr die öffentlichen Pissoirs. Die wurden nach und nach aus der Stadt entfernt aber manche gibt es noch als eine Art Denkmal für Schwule. Früher hat man sich da getroffen und „gefunden“.

Begeistert waren wir davon, dass es immer und überall etwas zu Essen gab und es keine Mühe war, etwas Geeignetes zu finden. Nur ein mal haben wir daneben gegriffen – mein Salat für 12€ bei unfreundlicher Bedienung.

Fahrräder sind wie weiter oben erwähnt natürlich ein Muss, so konnten wir am Ende des Trips mit Stolz behaupten – „we survived Amsterdam“. Daneben gibt es auch kleine, elektrische Autos und Mopeds, mit denen man ganz normal auf dem Bürgersteig und Fahrradweg fahren kann. So genannte Bromfiets.

Die ganzen Sehenswürdigkeiten kennt ihr ja selbst oder könnt sie nachlesen aber ein paar Klassiker will ich euch nicht vorenthalten:

Ach ja, und Tingel Tangel Bobs Sohn haben wir auch gesehen. 😀 (no offense)

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Tja, und so schnell sind drei Tage rum. Selten war ich auf Anhieb so begeistert von einer Stadt und es steht fest: ich komme wieder. 😉

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Königin von Mallorca

Es ist schon ein bisschen her, dass ich auf Mallorca sein und die wunderbare Astrid besuchen durfte. Aber besser spät als nie, ne. Hier ist meine Ode und wärmste Empfehlung an und für dich:

Mit Astrid habe ich mein Zimmer in der Yogaferienwoche geteilt (wer sich nochmal erinnern möchte: bitteschön :-)) und so stand schon ziemlich schnell fest, dass ich sie auf Mallorca besuchen werde, denn Astrid lebt und arbeitet da. Und zwar verdient sie ihr Geld mit einer grandiosen Idee: sie bietet individuelle Reisebegleitung auf Mallorca für Frauen an. Du wohnst bei ihr – so sieht dein Zimmer aus:

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Und unternimmst Ausflüge deiner Wahl oder sonstige Aktivitäten, die dich interessieren und hast immer orts- und fachkundige sowie humorvolle und gesprächige Begleitung mit dabei.

Dank Astrid habe ich Ecken auf Mallorca kennengelernt, die ich vermutlich nie entdeckt hätte und vor Allem aber durfte ich Bekanntschaft mit wunderbaren Menschen machen, die meine Urlaubswoche perfekt gemacht haben.

Gleich am ersten Tag nachdem mich Astrid abgeholt hat, haben wir uns mit ihren Freunden zum Essen getroffen. Mit dabei Philine, die auf Mallorca ihre Wohnung zum Kunstatelier gemacht hat und somit lag es nahe, nach dem Essen Philines Kunstwerke zu betrachten.

Mit einem Spaziergang am Meer entlang konnte ich den Ort dann noch ein bisschen besser kennenlernen und einfach auch mal nur die Weite des Meeres genießen.

Auch Yoga durfte in dieser Woche natürlich nicht zu kurz kommen – ich konnte gleich zwei ganz unterschiedliche Yogastunden erleben. Zum einen verzauberte uns Caroline nicht nur mit ihrer sanften Yogastunde sondern insbesondere mit ihrem klangvollen Gesang. Und Sabine hat meine Urlaubswoche perfekt mit Kundalini-Yoga abgeschlossen.

Ein bisschen Tanz, Musik und gute Stimmung durfte natürlich auch nicht fehlen und so haben wir Mandys Geburtstag in ihrer Bar El Momento gebührlich gefeiert. Dort traf sich gefühlt die gesamte deutsche Bevölkerung von Mallorca und einige spannende Begenungen sind aus diesem Abend ebenfalls hervorgegangen. Der Rest ist leider urheberrechtlich geschützt. 😀

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Auch Palma stand natürlich auf unserer Liste und so sind wir bei bestem Wetter durch Palma gestiefelt und haben uns hauptsächlich auf eine kulinarische Art und Weise inspirieren lassen. Insbesondere das Nationalgericht Mallorcas – Thai-Pfanne – können wir sehr empfehlen. 😛

Wegen der schönen blauen Farbe in den Toiletten 😛 sind wir zum Urlaubsausklang mit einem Freund von Astrid in’s Alchemy um dort dann authentisch und gehoben mallorquinisch zu essen und zu feiern. Die Live-Band bewegte sämtliche Gäste zum tanzen und nach einem Absacker in der entfernteren Hotelbar uns ziemlich spät ins Bett.

Unbeschreiblich und nicht mit Worten festzuhalten sind jedoch unsere wunderbaren Gespräche und die vielen Stunden, die wir miteinander gelacht haben. Ich danke dir, liebe Astrid, für eine grandiose, geniale Woche bei dir, von der ich noch immer zehre und mich so gern daran zurück erinnere. Ich freue mich auf eine Wiederholung noch dieses Jahr.
Du bist meine Königin von Mallorca. 🙂 :-*

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„Smile! It’s good for your heart.“

Reiseziel: Marokko
Reiseart: Rundreise
Dauer: 8 Tage

Städte: 10
Hotels: 5
zurückgelegte km: 1.530
Fortbewegungsmittel: Reisebus von s’Tours
Veranstalter: Berge & Meer
Begleiter: 3 (ein Reiseleiter, ein Busfahrer, ein Mechaniker)

Montag, 16.09.2013
Etwas aufgeregt und viel zu früh komme ich am Frankfurter Flughafen an: Ich trete die erste organisierte Rundreise meines Lebens an und das auch noch alleine.

Im Wartebereich treffe ich auf eine gaggernde Kleingruppe von orientalisch gekleideten westlichen jungen Frauen und vermute bereits, dass diese bei meiner Reise dabei sind. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll. Meine Zweifel werden jäh zerschlagen als ich in Casablanca ankomme – nach einer Stunde des Wartens ist unsere Gruppe vollzählig und ich von 23 Personen deutlich die Jüngste. Warum stimmen die Klischées eigentlich immer? Wobei ich fairerweise erwähnen muss, dass noch zwei weitere junge Herren, so Mitte bis Ende dreißig, mit ihren Eltern unterwegs sind. Mit ihnen soll ich aber die ganze Reise über nicht wirklich sprechen werden.
Es geht los.

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Dienstag, 17.09.2013
Nachdem wir noch am späten Abend mit einem Buffet abgefertigt wurden, konnten wir schließlich auf unsere etwas in die Jahre gekommenen Zimmer. Das also sind vier Sterne in Marokko. Ich bin froh, als wir das Hotel verlassen und heute unsere ersten 250km zurücklegen.

Wir starten mit einer Blitzrundfahrt durch Casablanca und landen schließlich am Platz Mohammed V. Danach sehen wir den Platz der Vereinten Nationen sowie den Königspalast. Anschließend geht es weiter nach Rabat. Wir werden mit dem Mausoleum von Mohammed V und dem Hassan Turm vertraut gemacht und können uns merken: alle berühmten Plätze in Marokko heißen entweder etwas mit Mohammed, Hassan oder Ahmed. So einfach ist das. Dann geht die Tour weiter nach Meknès, wo wir eine von unzähligen Mauern („Die iieest sährr schönn.“ Zitat Reiseleiter) sehen und unser erstes, richtiges marokkanisches Essen zu uns nehmen. Auf der Fahrt dort hin ist der Reiseleiter absolut begeistert davon, was die Natur in Marokko so her gibt und schreit alle paar Meter ins Mikrofon: „Schauen Sie – Granatäpföhl! Hiiier räscht.“ Mein Sitznachbar wird aus seinem Schlaf gerissen und erschrickt dabei. Nachdem wir eine kurze Besichtigungstour unternommen haben, fahren wir weiter zu unserer Übernachtungsstation in Fès.

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Mittwoch, 18.09.2013
Heute erkunden wir Fès und bekommen dafür eigens einen jungen Stadtführer. Fès ist die älteste Königsstadt Marokkos und wir lernen gleich zu Beginn, dass Gebäude, vor denen die Polizei steht, nicht fotografiert werden dürfen. Wir starten mit einer Führung durch die mittelalterliche Medina. Wir stehen vor einem militärisch bewachten Gebäude und ich bemerke, wie die Polizei unruhig wird und plötzlich ein junger Polizist geradewegs auf mich zugestampft kommt, den Finger auf mich zeigt und „Photooo!“ schreit. Ich werde also angeklagt, verbotenerweise ein Bild von dem bewachten Gebäude gemacht zu haben und sehe mich bereits in einem marokkanischen Gefängnisverlies obwohl ich nicht mal meine Kamera berührt habe. Aber der Polizist ist überzeugt davon, dass er richtig gesehen hat. Zum Glück kann ich beweisen, dass ich keine Bilder gemacht habe. Die Anklage wird fallen gelassen, der Polizist stampft wieder ohne einem Wort der Entschuldigung davon – klar, ich bin ja auch eine Frau. Und ab diesem Moment stehe ich unter dem Schutz des Stadtführers. Was das bedeutet … dazu später mehr. 🙂
Nach der Erkundung der Medina und einigen Sehenswürdigkeiten, laufen wir durch die unglaublich engen Gassen der Suqs. Ein Suq ist ein Marktplatz, in diesem Fall Marktgassen. Es ist eine Mischung aus dem Duft von Gewürzen, Parfüm und Leder aber auch aus bluttropfendem Fleisch, Kadavern, Dreck und Wasserlachen. Wir schlengeln uns durch die Gassen, besuchen eine Töpferei, Weberei und Gerberei. Als wir in der Gerberei einen Zweig Minze in die Hand gedrückt bekommen bevor wir uns die Produktion ansehen, lehne ich erst ab und bin keine zwei Minuten später dankbar, dass ich überredet wurde den Zweig doch zu nehmen. Es stinkt höllisch. Die Gerberei benutzt zum färben Taubenmist. Mir steht der Gestank in der Nase, als wir kurz darauf noch Essen gehen.
Später sehe ich, wie Hühner kopfüber aber lebend und an den Füßen zusammengebunden transportiert werden, wie sie getötet werden, wie ein Esel durch Schläge zum laufen gebracht wird, wie andere Tiere geschlachtet werden.  Mir ist übel.
Unser Stadtführer weicht mir nicht von der Seite und schlägt mir eine Beziehung vor. Als wir an den Hochzeitsausstattungen vorbei laufen, meint er, wir könnten in einem Jahr auch heiraten, marokkanisch natürlich, und ein weiteres Jahr später Kinder bekommen. So einfach funktioniert das da mit der Liebe.

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Donnerstag, 19.09.2013
Nach einer Horrornacht mit Übelkeit und Magen-Darm-Problemen, bekomme ich morgens von unserem Arzt ein erlösendes Medikament und die nächste und längste Etappe mit 490km beginnt.

Wir fahren an einigen Berberdörfern vorbei, die Landschaft ist steinig und kahl, sehen aber unterwegs plötzlich einen atemberaubenden See und passieren die Ziz-Schlucht. Langsam fängt alles an gleich auszusehen aber unser Reiseleiter ist absolut begeistert und brüllt mit seinem arabischen Temperament ständig ins Mikrofon, worauf wir alles achten sollen. Dabei erzählt er uns viele Geschichten und gibt uns interessante Informationen über sein Land weiter.
Nach meinem Mittagessen, dass aus ca. 3 kg purem Reis bestand (wegen Magen-Darm), fahren wir weiter zu unserem Zielort Erfoud.

Das absolute Highlight des Tages ist ein Ausflug in die Wüstenstadt Merzouga. Dort reiten wir mit Dromedaren in die Sanddünen von Erg Chebbi und erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang.

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Freitag, 20.09.2013
Wir starten die nächsten 340km ab Erfoud, wo wir übernachtet haben. Ich bin froh, dass wir auch hier nicht länger schlafen, die Hotels werden immer katastrophaler.

Unser Weg führ uns nach Tineghir, vorbei an der wirklich eindrucksvollen Todra Schlucht bis nach Ouarzazate.
Unterwegs besuchen wir noch eine Fossilienausgrabung und -verarbeitung. Ich bin erschüttert, mit welch mittelalterlichen Werkzeugen die arbeiten und denke, dass selbst im Mittelalter alles fortschrittlicher war.
Wir halten an einer riesigen Landschaft, die voller kleiner Vulkane ist. Es stellt sich heraus, dass dies mal Brunnen waren und ein paar wenige davon sind heute sogar noch in Betrieb. Als ich wieder einsteige, entdecke ich auf meinem Sitz im Bus einen Zweig mit 3 Granatäpfeln. Der Mechaniker hat sie mir hingelegt. Ich bekomme zusätzlich noch ein Küsschen auf die Wange.

Die Weisheit des Tages kommt von dem Reiseleiter: „Man kann niieescht gleischzeitisch spreschöhn und zuhörööhhn. Das iieest die Wahrheit.“

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Samstag, 21.09.2013
Nach einer Stadtführung in Ouarzazate besichtigen wir die Kasbah Taourirt und erfahren, dass der König früher vier Frauen hatte. Jede Frau bekam ein eigenes Zimmer, wobei die erste Frau das schönste und größte besaß, die vierte Frau wohnte quasi im Keller. Unser Reiseleiter bedauerte bei dieser Gelegenheit, dass die Polygamie in Marokko seit zehn Jahren abgeschafft ist.

Auf dem  200km langen Weg nach Marrakesch überqueren wir den höchsten Pass Marokkos, den Tizin Tichka auf 2.260 Höhenmetern. Wir bewundern das Atlasgebirge und die Landschaft des Tadderts und halten in einer Arganölherstellung. Diese stellt eigens für Coco Chanel auch Rosenwasser her.

Im absolut exquisiten Hotel in Marrakesch angekommen, erlebe ich von Balkon meines Hotelzimmers aus sogar noch eine marokkanische Hochzeit (nicht meine). Nachdem diese aber recht laut ist und gegen Mitternacht erst richtig aufgedreht wird, ziehe ich auf die andere Seite des Hotels um.

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Sonntag, 22.09.2013
Heute sehen wir Marrakesch, der zweitältesten Königsstadt Marokkos. Ich kann’s kaum erwarten.

Wir beginnen mit einer kurzen Stadtrundfahrt und besichtigen den Bahia Palast, die Menara Gärten, das Koutubia Minarett und die Gräber Saadiens. Da es schon am vormittag schon unglaublich heiß ist, ruhen wir uns nachmittags nach dem Essen am Pool aus. Obwohl mich der Mechaniker im Blick hat und mir zuwinkt, halte ich es trotzdem nicht lange am Pool aus und begebe mich in mein Hotelzimmer. Am späten Nachmittag laufen wir durch die wunderschönen Suqs der Stadt. Wegen der engen Gassen ist es nicht ganz so heiß, sodass wir die Gelegenheit haben, uns von den ganzen Farben und Gerüchen begeistern zu lassen. Ich treffe auf einen Händler und er raunt mir zu: „Smile! It’s good for your heart!“ Und ja, tatsächlich. Auf meiner ganzen Reise durch das Land habe ich kaum einen Marokkaner gesehen und kennengelernt, der nicht gelacht oder gegrinst hat, egal wie mittellos dieser Mensch war.
Wir beenden unsere Besichtigung am Jemaa El Fna Platz und haben die Möglichkeit, Gaukler, Wahrsager, Geschichtenerzähler, Tänzer und die Menschen Marrakeschs zu erleben. So muss das bei uns vor vielen, vielen Jahrzehnten auch gewesen sein. Und es ist wirklich ein Märchen aus 1001 Nacht.

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Montag, 23.09.2013
Um 6:45 Uhr fahren wir 250km zurück nach Casablanca. An meinem Sitz ist eine rote Blume befestigt. Ein Gruß von dem Mechaniker.

Ich denke über die vergangenen Tage nach und bin fasziniert von einem Land voller Gegensätze. Ein Land, das man auf einem Bild nicht so festhalten kann, wie es wirklich ist. Ein Land, das sich lohnt, zu sehen. Ich komme wieder.

Rose

7 Tage Cevapcici & Fisch

4. September 2010

Endlich geht’s los. Um 6:40 Uhr starten wir Richtung Sonne und fragen uns, ob wir unsere Mitreisenden wohl auf der Autobahn treffen werden. Eine Stunde später überholen wir sie. Weitere 8 Stunden später kommen wir endlich am Campingplatz an und springen alle nach einer kurzen Hausbesichtigung zur Abkühlung in’s Wasser. Das Wetter ist genial.

5. September 2010

Das Wetter ist wieder prima, also entscheiden wir uns für einen Badetag. Es geht in das Naturschutzgebiet Kap Kamenjak, wo es mehrere Strände zum anfahren gibt. Wir nehmen die Klippen bei der Safaribar.

Ich mache es mir auf den löchrigen Felsen bequem und beobachte die Leute. Die anderen sind mutiger und springen von den Felsen in’s Wasser. Ich sehe nicht hin, ich will ja nicht als Zeugin aussagen müssen.

Es scheint Spaß zu machen, denn ich bin eine ganze Weile allein und höre den Österreichern auf den Felsen unter mir dabei zu, wie sie sich über den Vegetarismus unterhalten.

6. September 2010

Heute fahren wir nach Rovinj. Das ist nicht so weit und soll schön sein. Wir wagen es. Und bereuen es nicht. Die Stadt ist wunderschön, sehr mediterran und steht unter venezianischem Bau-Einfluss.

Auf unserer Tour entdecken wir Dreharbeiten zu einem ARD-Film. Der Mann vor uns behauptet, die Schauspieler seien Henry Hübsch und Susanna von irgendwas. Google stimmt dem nicht zu. Die Frau neben uns fragt ihre Tochter Katharina ob der Beruf nicht auch was für sie wäre. Wir kucken Katharina an und entfernen uns.

7. September 2010

Bonita (Name nicht geändert) bezaubert uns mit ihren Kenntnissen über die Brijuni-Inseln und führt uns sicher durch die Insel.

Wir fahren mit einer Bimmelbahn bis zum Tierpark. Während dessen erzählt uns Bonita, dass sich Hotelgäste der Insel auch frei bewegen dürfen. Wir sind neidisch. Danach fahren wir wieder zum Ausgangspunkt zurück und machen eine Pause von 45 Minuten, in der wir die Gelegenheit haben, Souvenirs aus dem eigens errichteten Souvenirladen zu ergattern. Dann laufen wir 5 Meter zur Kirche, danach zum Stein-Ei, dann haben wir wieder Pause. Sind aber auf uns alleine gestellt. Immerhin. Wir haben 30 Minuten Zeit zum 5 Minuten entfernten Hafen zu laufen und uns wieder abholen zu lassen. So kriegt man 4 Stunden rum.

8. September 2010

Wir fahren nach Pula auf den Markt und besorgen Fisch. Wir lagern ihn gekühlt im Auto,  sehen uns die Stadt im Eiltempo an und verstehen gar nicht warum alle sagen, dass Pula nicht so toll ist. Wir sehen mehr Sehenswürdigkeiten als auf Wikipedia angegeben.

9. September 2010

Wir freuen uns über die Sonne. Und weil Sonne toll ist, fahren wir wieder an den Strand im Naturschutzgebiet. Es stehen heute 3 Strände auf dem Programm. Den ersten kennen wir noch nicht, befinden den aber als ganz gut weil man gut in’s Wasser kommt und schnorcheln kann. Wir entdecken Zwicki – einen kleinen Krebs. Leider hat er Angst vor uns und rennt weg. Wir machen mit und fahren zu einem anderen Strand. Zum Felsstrand mit der Safaribar. Die Wellen sind sehr hoch und es geht ein starker Wind. Es gehen nicht viele Leute in’s Wasser. Die Österreicher sind auch nicht mehr da.

Den dritten Strand kennen wir dann auch schon, finden den aber am besten weil auch die weniger Mutigen in’s Wasser gehen können. Unter den anspornenden Zurufen von Flo und Yvonne gelingt es mir dann tatsächlich nach 15 Minuten in’s Wasser zu springen. Ich komme an den Seeigeln vorbei und finde mich toll.

10. September 2010

Das Wetter ist mittelmäßig, Flo und ich sind krank. Wir machen einen faulen Tag, wollen aber nicht nur rum hängen und fahren deshalb noch mal nach Pula. Wir beobachten den Hafen mit den Riesen-Schiffen. Das finden die Hafen-Mitarbeiter seltsam.

11. September 2010

Der Abreisetag. Die Sonne strahlt. Wir nicht. Bye bye Istrien, bis zum nächsten Mal!

Nächster Halt: Prag

1. 16-Tage-Wettervorhersagen

Auf die ist kein Verlass. Geprahlt mit Sonnenschein und 25 Grad, 1 Abend vorher die Prognose: Regen. Toll. Übersetzung: Koffer umpacken. Letztendlich gehabt: Regen bis mittag, danach Sonnenschein.

2. Die Fahrt …

… ging um 8 Uhr mit dem Linienbus los, bedeutete um 5:30 Uhr aufstehen. Das ist nicht gut. Auch nicht wenn der Busfahrer gut gelaunt ist und fröhlich in’s Mikro singt: „Nächster Halt: Prag!“

Etwas menschlicher die Zeit bei der Rückfahrt (15 Uhr), der Fahrer wohl jemand mit Bakterien-Phobie. Das Gepäck, welches zu 98% aus kleineren Reisetaschen bestand, wurde nämlich nur mit den schwarzen Lederhandschuhen angepackt. Eingeplant waren 5 Stunden und 15 Minuten Fahrt mit einer halbstündigen Pause in Regensburg. Warum auch immer. Geplante Ankunftszeit: 20:15 Uhr. Tatsächliche Ankunftszeit: 21:15 Uhr. Das ist nicht gut. 🙂

3. Wechselstuben

Sollten verboten werden. Am Sonntag hatte ich leider kein tschechisches Geld mehr aber dafür ausreichend Euros. Ich wollte also Geld wechseln, da Geld abheben bei meiner Bank 5,-€ Gebühren kostet und ich mein Konto außerdem nicht (noch mehr) strapazieren wollte. Wechselstuben findet man schnell. Auch wenn man meint, man würde diese Tafeln mit den Wechselkursen verstehen, sollte man noch ungefähr 34 mal hinsehen um wirklich sicher zu gehen. Das habe ich natürlich nicht gemacht sondern habe nur eine Zahl registriert. Die war leider falsch. Für meine 20 Euro habe ich umgerechnet 10 bekommen. Banditen. Hätte doch mal Controller werden sollen.

4. Einkaufscenter

GENIAL! Gut, jeder Amerikaner würde vermutlich leicht amüsiert schmunzeln, aber für mich, eine aus Polen importierte Deutsche ein Traum. Erst mal sind die Dinger riesig. Dann gibt es dort alles. Vor allem Klamotten. Auch  Marken, die man in Deutschland nicht kaufen kann. Der Wahnsinn. Einen unglaublich riesigen Supermarkt hat auch fast jedes Einkaufscenter. Und das, direkt bei unserem Hotel (!!!), hatte auch noch ein Bowlingcenter und einen Day-Spa. Und jetzt der aboslute Oberhammer: die Läden hatten alle bis Mitternacht offen!

5. Ankommen & Rumkommen

Das Metronetz umfasst 3 Linien. An manchen Stationen kreuzen sich die Bahnen. Wenn man schon unter der Erde ist, dann ist es auch kaum ein Problem die Anschlusslinie zu finden. Kommt man allerdings erst an und steht oben, ist es schon eine mittelschwere Herausforderung den Weg zu finden. Wir sind am Ankunftsbahnhof (Florenc) ungefähr 2 mal um den Bahnhof gerannt bis wir gecheckt haben, dass wir bei dem einen Metrogleis nochmal runterfahren müssen um zu unserer Metro zu kommen. Und es lag nicht an uns!!

Alle gängigen Sehenswürdigkeiten sind wirklich toll anzusehen. Wir wollten uns kuturell noch ein wenig weiterbilden und sind daher ins Museum der Stadt Prag gegangen. Versprochen wurden Informationen rund um die Themen Politik, Wirtschaft, Kunst, bürgerliche Alltagskultur und urbane Entwicklung. Spannend eigentlich. Alle „Themen“ wurden in 2 Räumen abgehandelt. Highlight war der 3D-Film um die Papierstadt Prag, welche im 19. Jahrhundert von Langweil gebastelt wurde. Dazu bekam man an der Kasse einen von Hand ausgeschnittenen und laminierten Zettel, auf dem stand, zu welcher Uhrzeit man diesen 3D-Film ansehen konnte. Penibelst kontrolliert wurde dieser am Eingang zum Kino-„Saal“. Was bei einer Gruppe von 8 Leuten natürlich sein muss. Nach 5 Minuten Reise durch die Papierstadt war alles vorbei. Langweil.

Biesd debberd – fohrst nach Wäähn!

Wir wollten unbedingt einen Tapetenwechsel. Nicht etwa weil unsere Tapeten hässlich wären. Nein. Wir haben gar keine. Unsere Wandfarben sind auch entzückend. Aber dennoch wollten wir mal raus und haben uns in unser Nachbarland Österreich gewagt. Um genau zu sein nach Wien.

Wien empfängt uns mit einem wunderbaren Stau. Ist allerdings kein Vergleich zu den Münchner Staus und auch nicht zu den Staus auf der Autobahn, was die unfassbare Reisezeit von 6 Stunden erklärt. Wir sind mit dem Auto gefahren. Gleich zu Beginn fahren wir am Schloss Schönbrunn vorbei und freuen uns, 2 Tage später auch drin zu sein.

Unser Hotel liegt am Heumarkt, zwischen Stadtpark und Schwarzenbergplatz. Wir werden in ein nettes Zimmer einquartiert, welches leider zur Straßenseite zeigt. Dadurch ist an Schlaf nicht wirklich zu denken, man hat das Gefühl, bei offenem Fenster den fetten Brummern und Treckern zu lauschen. Wir ziehen also mitten in der Nacht einen Stock höher. Hier liegt das Zimmer zum Innenhof und ist wunderbar ruhig. Dafür ist es ein Raucherzimmer und das riecht man. Wir müssen Abstriche machen, wir bleiben ja nur 2 Nächte, und schlafen beseelt inmitten der Nikotinwolke ein.

Noch am Freitag, 02.04.2010, brechen wir direkt nach unserer Ankunft auf und wollen Wien auf eigene Faust erkunden. So laufen wir zum Schwarzenbergplatz und entscheiden uns für die Richtung zum Belvedere, ohne zu wissen das wir da hin laufen. Als wir nach Ewigkeiten und wie sich im Nachhinein enttuppt am Elisabethplatz ankommen, haben wir dann doch Zweifel ob wir Richtung Zentrum gelaufen sind. Wir wählen die bestaussehendste Straße und kommen irgendwann an einer Apotheke vorbei. Die nette Apothekerin erklärt uns den Weg zum Zentrum.

Als wir endlich am Karlsplatz ankommen, der übrigens auch nicht so weit weg vom Hotel ist, steigen wir in die Tram 1 und fahren bis zum Schwedenplatz. Belohnt wird unsere unglaubliche Tollkühnheit mit einer Fahrt durch das Museumsquartier und diese Aussicht ist wirklich phantastisch. Danach laufen wir Tourimäßig durch die Innenstadt-Shoppig-Straßen und sind auf der Suche nach was Essbarem. Nach 5 Anläufen entscheiden wir uns für einen echt östereichischen Italiener. Das Essen war lecker, die Bedienung unmöglich. Wahrscheinlich, weil wir in Jeans angekommen sind. Wir bösen Touristen. Ich stelle fest, dass es keine gute Idee ist mit einem kaputten Knie so viel zu laufen, deswegen laufen wir nach dem Essen zum Hotel und schlafen erschöpft ziemlich bald ein.

Am Samstag, 03.04.2010, gehen wir als Erstes zum Naschmarkt.

Leicht überfüllt und eng, dennoch beeindruckend. Viel besser finden wir jedoch die grandiosen Gebäude auf der linken Wienzeile. Gekauft haben wir nix und so laufen wir nun Richtung Oper und setzen uns dort zu den Pferdchen. Einige der Pferde könnten es mit ihrer grazilen Stehweise durchaus mit Primaballerinas aufnehmen. Wir vermuten, dass sie schwul sind. 🙂

Nach dieser Erholungspause fahren wir nochmals zum Museumsquartier um uns dort insbesondere das Rathaus nochmal anzusehen, fahren zur spanischen Reitschule – sehr imposant!, besuchen das Sacher Café von außen, wagen uns zum Hofzuckerbäcker Demel rein und bekommen nach 25 Minuten Wartezeit auch direkt einen der vielen leeren Tische zugewiesen … Der Bestellvorgang an sich ist schon einen Besuch wert: wenn man einen Kuchen bestellen möchte – und man geht dort nur zum Kuchen essen hin – wird man von der mehr oder weniger freundlichen Kellnerin aufgefordert, zur Kuchenbar zu gehen und sich einen Kuchen auszusuchen. Man geht also zu der Bar hin, kuckt sich alles an, wählt ein Sahneteil aus, wird dann darauf hingewiesen, dass genau dieser Kuchen nur für Diabetiker gedacht ist (1. steht das nirgendwo, 2. woher will die wissen das man keiner ist?) , man lässt sich anschließend aufzählen was es alles gibt und entscheidet sich sodann für den „süßen“ Schokoladenkuchen. Aha. Ok. Dann bekommt man einen kleinen rosa Zettel in die Hand gedrückt mit einer Nummer drauf, setzt sich an seinen Platz, 2 Sek. später kommt die Bedienung, holt den Zettel ab, bringt 3 Sek. später den Kuchen von der Bar. …ABER! Es war wirklich ein Erlebnis und unglaublich lecker.

15,-€ später (1 Stück Kuchen, 2 Kaffee) verlassen wir den Demel und genießen noch die touristischen Sehenswürdigkeiten.

Am 04.04.2010 fahren wir zum Schloss Schönbrunn und wandern durch die Anlage. Wie muss sich Maria Theresia mit ihren 16 Kindern hier wohl gefühlt haben? Sofort stelle ich mir vor wie es ist, sie zu sein, und 5,20€ für einen Liter Wasser auszugeben … Wir wandern hoch zur Glorietta und haben einen tollen Ausblick über Wiens Außenbezirk.

Statt einer Führung gönnen wir uns noch einen Gang über den Ostermarkt direkt vor dem Schloss. Unseren Wien-Ausflug beenden wir mit einem Sprung zum Hundertwasserhaus und fahren alsbald glücklich und zufrieden nach Hause. Wir werden auf jeden Fall wieder kommen!

One Night in Fädd

zu deutsch: Eine Nacht in Fürth (Bayern)

Ja, es ist wirklich wahr – ich  komme aus Fürth. Oder besser: Fädd. Jetzt ist es raus. So eine Stadt gibt’s in echt? Nun, es ist so: die Bezeichnung „Fädd“ ist fränkisch. Fädd gehört zu dem wunderbaren Städtedreick Fürth – Nürnberg – Erlangen. Das dürfte dann den meisten bekannt sein. Vom Namen her. Und da war ich am Wochenende. Warum um Himmels Willen fährt man als junger Mensch nach Fädd über’s Wochenende? Es ist kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich so, dass es unglaublicherweise noch andere junge Menschen dort gibt. Einige davon sind meine Freunde. Drei der weniger jungen Leute gehören zu meiner Familie. Auch ein nicht zu vernachlässigender Grund weshalb man doch hin und wieder mal vorbei fährt. In Fädd gibt’s sogar eine Fußgängerzone mit echten Geschäften wo man echte Klamotten, Schuhe, Drogerieartikel … kaufen kann. Und es gibt einige Kneipen, wir haben sogar eine eigene Kneipenstraße. Jaaa! Ernsssshafff jetz (;-)). Und wisst ihr was es in Fädd noch Tolles gibt? In Fädd gibt’s die größte Straßenkirchweih, bzw. zu fränkisch „Kärwa“. Das ist die Michaeliskirchweih. Und es ist ein sensationelles Spektakel. Jedes Jahr pilgern Millionen von Menschen nach Fädd um ein Teil der Metropole und der fränkischen Kultur zu werden. Na gut, vielleicht sind es auch nur Tausende. Und am Samstag war der Startschuss für die Kärwa 2009. Es war unfassbar voll! Vermutlich sind einige extra vom Oktoberfest nach Fädd gefahren, weil es in Fädd keine Terrorwarnung gibt.  Und mal ganz unter uns: in Fädd kann man sich viel billiger betrinken!
Na jedenfalls hat sich Fädd auch so ganz schön gemausert. Nicht nur optisch (in einigen Stadtteilen). Es gab zu meiner Zeit schon Nightliner, aber jetzt gibt es noch mehr. Ich benötigte die Hilfe meiner beiden liebsten Freunde um mich zurechtzufinden und nach Hause zu kommen. Im Ernst! Man wollte mir schon ein Schild umhängen mit der Zieladresse. Glücklicherweise ist alles reibungslos verlaufen. Dank des fürsorglichen Busfahrers bin ich letzlich sicher am Zielort angekommen.

Dieser Artikel macht eigentlich keinen Sinn. Aber warum schreibe ich ihn überhaupt und veröffentliche ihn auch noch? Ich weiß auch nicht, mir war danach.  Es ist sozusagen eine Hommage an F-Town – das ist übrigens die neue, etwas modernere Bezeichnung für Fädd wie wir belehrt wurden. … Nun ja, … wie auch immer. Ein Besuch in der Weltmetropole lohnt sich bestimmt, insbesondere jetzt zur Kärwa. In diesem Sinne:

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